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Hoffmanns Erzählungen von Jacques Offenbach

Mit diesem Stück wird eines der Meisterwerke der Opernliteratur auf der Selzacher Bühne zu sehen sein. Die phantastische Oper ist mit ihrem Ineinanderflechten von Traum und Wirklichkeit geradezu ideal für die Bretter des Passionsspielhauses und wird sowohl musikalisch als auch szenisch an die Erfolge der letzten Jahre anknüpfen können. Die reizvolle Musik und die Vielfalt der optischen Ausgestaltung, Traum und Wirklichkeit, getragen von der überbordenden Musik von J. Offenbach, lassen wieder einen unverwechselbaren Selzacher Operngenuss entstehen!

 

Inhalt

Der Dichter E. T. A. Hoffmann als Hauptfigur erzählt seinen Freunden in einer Kneipe drei Liebesgeschichten, die spannender nicht sein könnten, und die er selber erlebt haben will. Auslöser dafür ist die Wiederbegegnung mit einer ehemaligen Geliebten, der Sängerin Stella, die ihn verlassen hat, was Hoffmann noch nicht ganz verwunden hat, und die gerade in der Oper des Ortes gastiert.

Die erste Geschichte handelt von Olympia, der Tochter des Physikus Spalanzani. Doch stellt sich zu Hoffmanns Leidwesen heraus, dass sie nur ein seelenloser Automat, eine Puppe ist. Die zweite Episode handelt von der venezianischen Kurtisane Giulietta, die, angetrieben von dämonischen Mächten, Hoffmann sein Spiegelbild abzaubert. Und zuletzt geht es um das Schicksal der jungen Sängerin Antonia, bei der durch den Gesang eine tödliche Krankheit ausbricht, an der schon ihre Mutter gestorben ist.

Drei erfundene oder erlebte phantastische Abenteuer hat der Dichter erzählt. Damit er sich aus Gram darüber nicht dem Trinken hingibt, fordert die Muse der Dichtkunst ihn auf, die Geschichten niederzuschreiben und so aus dem Erlebten seine Meisterwerke erstehen zu lassen.


Jacques Offenbach

Als Jakob Eberst wurde der künftige Komponist am 20. Juni 1819 in Köln geboren. Aufgrund der Abstammung aus Offenbach am Main änderte der Vater, ein jüdischer Kantor, den Familiennamen. 1833 wurde der Sohn, der schon früh als Cellist in Gasthäusern aufgetreten war, zum Studium nach Paris u. a. bei Luigi Cherubini geschickt, wo er seinen Vornamen in Jacques änderte = Jacques Offenbach.

Er brach sein Studium ab und trat als Cellist auf. Durch sein Virtuosentum berühmt geworden, wurde er u. a. von Anton Rubinstein, Franz Liszt und Felix Mendelssohn-Bartholdy begleitet. 

1849 wurde er Dirigent am Théâtre français, für das er Bühnenmusiken schrieb. 1855, zur Pariser Weltausstellung, eröffnete er sein eigenes Theater, das Théâtre des Bouffes-Parisiens, für das er zahlreiche Einakter komponierte.

1858 machte ihn die zweiaktige Operette „Orpheus in der Unterwelt“ in ganz Europa populär. Er erhielt die französischen Bürgerrechte und wurde Ritter der Ehrenlegion. Nachdem er die Direktion des Theaters aufgegeben hatte, widmete er sich ganz der Komposition seiner Meister-Operetten.

Jacques Offenbach

Mit dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 begann sein Ruhm zu verblassen. Als Deutscher wurde er in Paris gemieden, als Franzose war er für die Deutschen ein Verräter. Offenbach brachte seine Familie in Spanien in Sicherheit und unternahm Tourneen durch Italien und Österreich.

Nach Ende des Krieges konnte er nur schwerlich an seine früheren Erfolge anknüpfen. Eine erneute Theaterleitung war wenig erfolgreich. Im Ausland hingegen wurde er gefeiert wie auf der Reise nach England und Amerika, wo er in New York und Philadelphia 40 Konzerte dirigierte.

1877 begann er seine einzige Oper, „Les Contes d´Hoffmann“, deren eigenhändige Vollendung sein Tod am 5. Oktober 1880 zunichte machte.

Die Uraufführung in einer verstümmelten Fassung fand am 10. Februar 1881 in der Pariser Opéra Comique statt, von wo aus das Werk die Welt eroberte.

Durch viele unglückliche Umstände ist es bis heute nicht gelungen, 100prozentig festzustellen, wie diese Oper vom Komponisten gedacht worden ist. So ist jede Aufführung ein erneuter Versuch, eine bühnenwirksame Fassung im Sinne Offenbachs zu finden. In den letzten Jahrzehnten sind verschollen geglaubte Dokumente und Noten aufgetaucht, die Licht in das Dunkel der Fassungen bringen sollten, die allgemeine Verwirrung um das Stück jedoch verstärkt haben.

So wird auch die Selzacher Fassung eine Annäherung an die Oper sein und versuchen, die bekannten und beliebten Stücke der Partitur alle zu präsentieren. Und ausserdem wird es wie schon gewohnt wieder eine Aufführung geben, wie sie nur auf den Brettern des Selzacher Passionsspielhauses möglich sein kann.

 

E. T. A. Hoffmann

Die Titelfigur der Oper ist der deutsche Dichter Ernst Theodor Amadeus Hoffmann, der vom 24. 1. 1776 bis zum 25. 6. 1822 lebte. Eigentlich hiess er ja Ernst Theodor Wilhelm, doch aus Bewunderung zu Wolfgang Amadeus Mozart nannte er sich um. Wie sein Vater wurde Hoffmann Jurist. Jedoch fing er früh an, sich der Kunst zu verschreiben. Er war ein bedeutender Dichter der Romantik, Komponist, Kapellmeister, Musikkritiker, Zeichner und Karikaturist, dessen Werke auf alle nachfolgenden Künstler in Europa grössten Einfluss hatten. 

E.T.A. Hoffmann

Die Oper nimmt Figuren aus seinen zahlreichen Werken auf und verknüpft sie mit Episoden aus seinem eigenen Leben. Wie im Stück pflegte Offenbach seine Abende in der noch heute existierenden Berliner Wirtschaft „Lutter & Wegener“ zu verbringen, die sich gegenüber dem Bühneneingang des „Königlichen Schauspielhauses“ (heute „Konzerthaus“) am Gendarmenmarkt befindet.

Dort erzählte er seinen Freunden und Trinkkumpanen seine neuesten Werke oder las aus ihnen vor, eine Situation, die die Oper als Ausgangspunkt für die drei grossen Erzählungen aufnimmt. Jede Frauengestalt, die Hoffmann als eine seiner Liebschaften präsentiert, hat ein Vorbild in einer seiner phantastischen Erzählungen: Olympia in „Der Sandmann“ aus „Nachtstücke“, Antonia in „Rat Crespel“ aus „Serapionsbrüder“ und Giulietta in „Die Geschichte vom verlorenen Spiegelbild“ aus „Die Abenteuer einer Silvesternacht“. Verbunden werden sie durch das Lied vom Kleinzack aus dem gleichnamigen Märchen „Klein-Zaches, genannt Zinnober“ und das Ereignis eines Gastspiels der Sängerin Stella, von der Hoffmann verlassen worden war, im Schauspielhaus – natürlich als Diva in einer Mozart-Oper, als Donna Anna in „Don Giovanni“.


Hörtipps

Von „Hoffmanns Erzählungen“ oder „Les contes d´Hoffmann“ gibt es eine grosse Anzahl von Aufnahmen, die jede ihre eigene Fassung bevorzugt. Das älteste Tondokument stammt von 1946, das jüngste von 1996. Aus der Vielzahl seien ein paar interessante Objekte empfohlen.

Von 1956 stammt eine schöne Aufnahme mit Waldemar Kmentt in der Titelrolle. Zusammen mit Rita Streich, Anny Schlemm und Teresa Stich-Randall als den Damen sowie George London als Bösewicht bringt dieses Album einen guten und musikalisch hochwertigen Überblick über das Stück in deutscher Sprache.

1964/65 nahm André Cluytens die Oper auf. Er konnte auf ein hochkarätiges Ensemble zurückgreifen, das jede Partie mit einem exquisiten Spezialisten besetzte. Nicolai Gedda führt die Sängerschar an. Ginna D´Angelo, Elisabeth Schwarzkopf und Victoria de los Angeles sind die Geliebten, Nicola Ghiuselev, George London und Ernest Blanc teilen sich die Bösewichter.

1979 gab es die letzte deutsche Aufnahme unter der Stabführung von Heinz Wallberg. Hier ist es Siegfried Jerusalem, der als Hoffmann problemlos alle Hürden der Partie meistert. Ihm zur Seite stehen Jeanette Scovotti, Norma Sharp und Julia Varady in Frauenpartien und Dietrich Fischer-Dieskau als Bösewicht. Leider ist diese Aufnahme nur noch als Rarität zu erhalten.

1987-89 entstand die bislang einzige Aufnahme, in der die ursprünglichen Dialoge zum Zuge kommen. Jeffrey Tate dirigiert das Ensemble mit Francisco Araiza, Eva Lind, Cheryl Studer, Jessye Norman (Antonia) und Samuel Ramey in der Kaye-Fassung.

1988 nahm Sylvain Cambreling die Oper in der Oeser-Fassung auf. Hier kann man alles hören, was für das Stück irgendwann geschrieben ist oder sein soll. Neil Shicoff, Luciana Serra, Jessye Norman (Giulietta), Rosalind Plowright und José van Dam sind die Protagonisten dieser vollständigen Edition.

1996 gab es die bislang letzte Aufzeichnung, diesmal in der Kaye-Fassung mit noch ein paar neuen Details und der Rekonstruktion von Uraufführungs-Koloraturen. Unter der Leitung von Kent Nagano singen Roberto Alagna, Natalie Dessay, Sumi Jo, Leontina Vaduva und erneut José van Dam.

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